Der 6. Demenztag im Harz Kurier

Der 6. Demenztag im Harz Kurier
(dieser Artikel erschien am 22. September 2008 im "Harz Kurier")

„Betroffene lebten zu lange im Schatten“
Zum Weltalzheimertag: Die Alzheimer Gesellschaft Region Harz in der Stadthalle

OSTERODE (mp). 1,2 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Alzheimer, im Jahr 2030 sollen es etwa 2,5 Millionen sein mit weiter steigender Tendenz: Dahinter stehen zahlreiche Schicksale Betroffener und pflegender Angehörige, für die Familien ändert sich das Leben dramatisch: Am Samstag veranstaltete die Alzheimer Gesellschaft Region Harz zum Weltalzheimertag einen Demenztag in der Osteroder Stadthalle, begleitet von einer Gesundheitsmesse und einem Theaterstück zum Thema.

„Wir haben schnell gemerkt, dass viele Fragen offen sind und pflegende Angehörige allein gelassen werden mit ihrer schwierigen Aufgabe“, erinnerte der Vorsitzende Dr. Manutschehr Daneschdar während seiner Begrüßung an die Gründung des Vereins im Jahr 2003 und an die sich stellenden Aufgaben. Vor mehreren hundert Zuhörern stellte er eine Krankheit in den Mittelpunkt, die immer mehr Menschen betrifft und den- noch zu wenig in der öffentlichen Diskussion ist: „Zu lange haben die von der Krankheit betroffenen Familien im Schatten gelebt, mussten allein mit ihrem Schicksal fertig werden“, sagte der Mediziner, der in Wieda praktiziert.

Noch immer scheuten viele den Weg in die Öffentlichkeit, zögen sich zurück, Kranke gerieten in die Isolation. „Aber es ist ein Thema, das uns alle angeht und betrifft. Es ist Zeit für ein Umdenken und einen respektvollen Umgang mit Menschen, die an Demenz leiden.“ Ziel der Alzheimer Gesellschaft sei, das familiäre Miteinander von Kranken und Gesunden zu fördern und das Verständnis in der Bevölkerung zu verbessern.

Mit voller Überzeugung habe er die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen, betonte Landrat Bernhard Reuter, sei Demenz doch kein Randgruppenproblem. Vielmehr entwickele es sich mit großer Dynamik auch vor dem Hintergrund der demografischen Situation. „Ich bis froh und dankbar für die vielen Initiativen der Alzheimer Gesellschaft“, sagte Reuter. Sie nehme nicht nur den Kranken selbst, sondern das gesamte Umfeld in den Blick. Der Landkreis werde, so Reuter, diese Arbeit nach Kräften unterstützen. Er kündigte die Einrichtung eines Seniorenservicebüros an und rief dazu auf, das Netzwerk weiter auszubauen und zu verbessern. „Lassen Sie nie nach in Ihrem Engagement“, so sein abschließender Appell.

Im Foyer der Stadthalle informierten unter anderem die Diakonie, die „Hilfe bei Demenz“, die Kliniken Herzberg und Osterode, Seniorenheime und Sanitätshäuser über Hilfestellungen im Ernstfall. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch, bevor das Theaterstück „Rosa ist reif“ unter der Regie von Heinz Gubler und der Moderation von Franziska Zeller begann, eine eindrückliche Auseinandersetzung mit Demenz und Alzheimer.

Wie sehr das Thema auch für den Landkreis Osterode an Bedeutung gewinnt betonte Jutta Kindereit, die den Treffpunkt Demenz in der Herzberger Klinik organisiert. Obwohl schon viele Betroffene und pflegende Angehörige das Beratungsangebot nutzten, müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden mit Menschen, die aus vielerlei Gründen mit ihren Problemen weitgehend allein bleiben.

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